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Pferdeankunft

Lena - Foto: Raimund Kniffki
Lena - Foto: Raimund Kniffki

Da hab ich mich mit meiner Freundin Lena ein wenig über alte Zeiten unterhalten und da erzählt sie von einer Stute die sich mal bei ihr darüber beschwert hat, dass die Menschen ihr nicht zuhören und sie zu ihrem Menschen ziemlich deutlich werden musste, obwohl sie das eigentlich nicht wollte. Wir Pferde sind ja grundsätzlich sehr friedvolle Lebewesen und möchten gerne spannende Sachen mit unseren Menschen zusammen erleben.

Aber - so die Stute - sie konnte sich noch gar nicht auf ihren neuen Menschen einlassen. Sie war gerade von ihrer alten Herde weg geholt worden und ist seit 2 Wochen auf dem neuen Hof, bei neuen Pferden und ihrem Menschen.
Angekommen ist sie weder in der Herde, noch bei ihrem Menschen und die Abläufe auf dem neuen Hof sind ihr auch noch fremd.

 

Lieber Mensch,

wir Pferde sind Fluchttiere.

Für uns ist es wichtig, dass wir bei einem Ortswechsel die alte Sicherheit wieder herstellen. Das ist Überlebenswichtig!

Wir müssen wissen, was auf dem Hof normal ist.

Wir müssen unseren Platz in der Herde gefunden haben.

Wir müssen dich - Mensch - kennenlernen dürfen, denn wir müssen wissen, ob du uns Sicherheit geben kannst.

 

Außerdem habe ich Freunde zurücklassen müssen und die Trauer darüber ist noch sehr präsent in mir. Neue Freunde zu finden, neue Wurzeln an diesem Ort wachsen zu lassen, dauert sein Zeit. Du erwartest von einem Baum auch nicht, dass er heute gepflanzt ist, morgen blüht und übermorgen Früchte trägt.

 

Also lieber Mensch, gib mir einfach die Zeit mich in meiner neuen Herde zurecht zu finden, den Hof und seine Abläufe kennen zu lernen und sei einfach beständig an meiner Seite. Mit etwas Zeit kann ich dich lesen und einschätzen. Ich werde, wenn ich meine eigene Ruhe wieder gefunden habe in der Lage sein dich kennen zu lernen.

Behandle mich in dieser Zeit vielleicht mit etwas nachsicht, aber trotzdem in aller Klarheit und Konsequenz. Sei nicht unsicher, denn was ich tue ist nicht gegen dich gerichtet. Wenn ich dich mal nicht wahrnehme, weil ich etwas sehe und dich zur Seite schiebe, ist das nicht persönlich gemeint - ich konnte in diesem Augenblick nicht anders. Wenn ich einmal nicht anhalte, wenn du es erwartest, weil ich gerade etwas aufregendes entdeckt habe, so strafe mich nicht dafür, denn ich konnte nicht anders.

Wenn du es schaffst meine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen, so werde ich versuchen mit dir gemeinsam alle Aufgaben zu meistern. Wenn ich das nicht lange kann, so sei nicht wütend, denn ich konnte es nicht anders.
Wenn ich also deine Erwartungen nicht erfülle, so bedenke, dass sich mein Leben gerade vollständig geändert hat und ich einige Zeit brauche, um mich daran zu gewöhnen.

Ich bitte dich: Schenk mir deine Geduld, deine Liebe und deine Zeit und gib mir/uns die Chance uns kennen zu lernen ohne das du mich überforderst. Menschen denken immer in Zeiträumen ... aber was passiert, wenn du mir jetzt nicht die Zeit gibst mich in meinem neuen Leben einzufinden. Was passiert mit uns, wenn wir uns ständig streiten?

 

Was meinst du, welche Basis ist die bessere Ausgangsposition für eine Partnerschaft?

 

Horse-Human-Harmonie, 27.10.2017

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