Bodenarbeit mit Pferden

Kommunikation im Round-Pen

Foto: Raimund Kniffki - Meine Stute Lena im Round Pen
Foto: Raimund Kniffki - Meine Stute Lena im Round Pen

 

Was ich oft sehe ist, das Menschen ihre Pferde im Round Pen auf irgendeine Art bewegen. Oder viel mehr, die Pferde bewegen sich und der Mensch ist Statist. Er steht in der Mitte und das Pferd bewegt sich außen, auf dem Hufschlag, um den Menschen herum.

 

Was ich auch oft sehe ist, dass Menschen versuchen ihr Pferd irgendwie auf dem Hufschlag in Bewegung zu bringen. Deutlich zu sehen ist, dass das Pferd aus irgendwelchen Gründen, keine wirkliche Lust hat vorwärts zu gehen.

 

Wieder andere Menschen haben erst Probleme das Pferd auf den Hufschlag zu schicken und dann auch dort zu halten.

 

 

 

Grundlagen

 

 

 

Monty Roberts hat (soweit ich mich erinnere) die Arbeit im Round Pen gesellschaftsfähig gemacht. Seine Idee das Pferd über eine Fluchtdistanz von ca. 500m zu schicken, um es mit diesem sogenannten Join-up „gefügig“ zu machen, gefiel vielen Pferdebesitzern. Es erschien als Allheilmittel, um Pferde wieder umgänglich zu machen und zum Beispiel Verladeprobleme auf einer anderen Ebene zu „heilen“! Er demonstrierte das in seinen Shows sehr eindrucksvoll.

 

Erst ein aufmüpfiges Pferd – ab in den Roundpen – 500 m im Kreis jagen – und schwupps, geht das Pferd mit ihm auf den Hänger.

 

Was niemand gesehen hat, ist das diese Art mit dem Pferd umzugehen wenig nachhaltig, beispielsweise, das Verladeproblem beseitigt und zum Anderen in der Psyche des Pferdes schwere Schäden verursachen kann.

 

 

 

Warum ist das so?

 

 

 

Das Pferd wird in Todesangst versetzt und im Kreis gejagt. Das muss es solange tun, bis es erkennt, dass es der Gefahr nicht entkommen kann. Letztlich sendet das Pferd, aus dieser Not heraus, Beschwichtigungssignale an den in der Mitte stehenden Menschen. Es dreht den Kopf, es kaut, es gibt auf. Resignation ist der Auslöser dafür das es den Menschen bittet aufzuhören.

 

Wenn der Mensch dann gnädig ist, und nun diesen immensen psychischen Druck wegnimmt, schließt es sich dem Menschen an. Ein sogenanntes „Follow-up“, das Folgen des Pferdes soll die Beziehung zum Menschen begründen und dann festigen.

 

Ist das so? Meiner Meinung nach Nein.

 

Augenscheinlich könnte ein Außenstehender das genauso sehen. Aber bei genauerem Hinsehen ist das Pferd nach seiner Flucht um sein Leben zu retten und der anschließend einsetzenden Resignation nur deshalb zu dem Menschen so nett, weil es aufgegeben hat.

 

 

 

Dieses sogenannte Join-up sollte – meiner Meinung nach – nur dann durchgeführt werden, wenn es die letzte Alternative ist und sonst alle Chancen eine Verhaltensänderung beim Pferd herbeizuführen ausgeschöpft wurden. Es sollte die wirklich wirklich letzte Möglichkeit sein, denn alle normalen Pferde werden dadurch einem völlig unnötigem Druck ausgesetzt und gefügig gemacht. Auf kosten des Charakters des Pferdes.

 

 

Ein Follow-up, also das Folgen des Pferdes, geht auch ohne ein vorheriges Join-up, wenn ich in der Lage bin dem Pferd zuzuhören, klar bin, weiß was ich möchte und trotzdem auch die Bedürfnisse und die Anfragen des Pferdes sehe UND diese auch positiv beantworten kann.

 

 

 

Was ist nun aber die Idee der „Arbeit“ mit dem Pferd im Round Pen?

 

 

 

Eigentlich ist es genau das Gegenteil von „im Kreis scheuchen“! Es geht darum die Fragen und manchmal auch Bitten des Menschen an das Pferd zu kommunizieren, die Antworten des Pferdes zu sehen und zu reagieren. Reagieren deshalb, weil ich natürlich das von mir gewünschte Verhalten belohnen sollte. Hierzu ist die Freude des Menschen ein wichtiges Ausdrucksmittel!

 

 

 

Jede Kommunikation sollte niemals eine Einbahnstraße sein. Einen Monolog zu halten ist der Tot jeder Kommunikation!

Soll heißen, dass erwartet wird, das auch das Pferd eine Antwort auf die gestellten Fragen kommunizieren sollte. Aber darf das Pferd auch eigene Fragen stellen und wie tut ein Pferd so etwas? Das Pferd hat nur die Möglichkeit mit seinem Körper seinen Willen zu zeigen. Die am wenigsten auffälligen Fragen sind Kauen, Ohrenspiel, Kopf drehen/heben/senken. Die Fragen die darüber hinaus sehr deutlich sind, sind Stehenbleiben, Wegrennen oder eigenwillige Richtungswechsel.

 

 

 

Oftmals wird insbesondere beim Richtungswechsel die Meinung vertreten, dass auf gar keinen Fall, niemals, das Pferd selbst entscheiden darf, dass es die Richtung wechselt.

 

Aber warum nicht?

 

Wie soll ein Pferd sonst dem Menschen klar machen, dass es ihm zu langweilig ist oder es gerade in diese Richtung nicht mehr laufen kann. Zu nahezu 100% ist der Wunsch die Richtung zu wechseln nämlich keine Aufmüpfigkeit des Pferdes, sondern hat einen anderen Grund. Wenn der Mensch diese Anfrage des Pferdes damit beantwortet es – meist sehr aggressiv – wieder in die ursprüngliche Richtung zurück zu drehen, tritt irgendwann derselbe Effekt ein, wie beim Join-up. Es dauert nur länger, aber die Resignation des Pferdes erfolgt auch hier.

 

Wie ist das mit dir? Wenn du jemandem eine Frage stellst und er antwortet mit „Jetzt nicht“ - wie oft wirst du noch Fragen stellen? Wann tritt bei dir die Resignation ein?

 

 

 

Meiner Meinung nach sollte hier – gerade am Anfang – Rücksicht auf die Meinung des Pferdes genommen werden. Ein souveräner Führer hat in den Augen des Pferdes jederzeit die Möglichkeit seine Meinung zu ändern. Also, warum nicht dem Pferd eine Pause gönnen, wenn es danach fragt? Bring doch deinem Pferd bei, dass der Platz in der Mitte des RoundPen, der Platz der Ruhe und Entspannung ist! Was bricht es dir ab, wenn du es zulässt, dass dein Pferd sich die Pausen holt, die es braucht und du es nach hurzer Zeit der Ruhe, wieder hinausschickst, um deine geplanten Übungen zu absolvieren (oder vielleicht auch Schluss machst)?

 

 

 

Je länger ihr das macht, desto mehr wird dein Pferd mitmachen. Versuche die Feinheiten in der Kommunikation zu erarbeiten, wie: Schritt-Trab-Übergänge, Trab-Galopp-Übergänge, sowie Tempowechsel in den jeweiligen Gangarten. Versuche zum Beispiel dein Pferd soweit zu beschleunigen, dass es einen starken Trab zeigt ohne zu galoppieren.

 

Die Idee ist dabei aus der Mitte des RounPen mit kleinen Gesten und Kommandos „Anweisungen“ zu geben und das Pferd spielt auf dem Hufschlag freudig mit.

 

Wenn es dann mal ohne Grund erschrickt und wie ein Springbock durch den RoundPen tobt – na und? Vielleicht muss es mal buckeln, austreten usw. um seinen Rücken wieder frei zu machen oder hat vielleicht einfach nur Spaß!

 

 

 

Achte bei jedem Spielen im RoundPen immer darauf wie dein Pferd „drauf“ ist! Auch Pferde haben mal einen schlechten Tag oder sogar Kopfschmerzen. Nichts ist unfairer als deinem Pferd etwas abzuverlangen, was es gerade nicht leisten kann!

 

 

 

Wie geht nun die Kommunikation im Round Pen?

 

 

 

Pferde denken in Räumen. Jedes Lebenwesen hat energetische „Wohlfühlblasen“ die es mit sich rumschleppt. Bei uns Menschen ist der erste Raum, wo wir bemerken das ihn ein anderer Mensch betreten hat, bei ca. 15m Entfernung. Das ist auch oft meine Entfernung, bei der ich stehenbleibe, wenn ich mein Pferd von der Weide hole. Bei Pferden ist diese Entfernung deutlich höher und dürfte bei mindestens 50 m liegen, denn als Fluchttiere müssen sie es merken, wenn sich andere Lebewesen nähern, um einschätzen zu können, ob sie in Lebensgefahr sind. Das dürfte der Grund dafür sein, dass dein Pferd genau weiß wie es dir geht, wenn du bei ihm ankommst.

 

Die zweite „Menschenblase“ hat eine ungefähren Durchmesser von 8 m und die dritte Blase liegt bei etwa 1 m.

 

Wenn ich im Roundpen meine Energieblase vor das Pferd schiebe, sollte es langsamer werden.

 

Wenn ich die Blase (und somit mich selbst) langsam von hinten auf das Pferd zuschieben, sollte es diesen Raum respektieren und beschleunigen.

 

 

Pferde die noch nie mit dem Menschen auf diese Art und Weise kommuniziert haben, können unter Umständen sehr ungewöhnlich reagieren. Ich habe es schon sehr oft erlebt, dass Pferde ein Fragezeichen auf der Stirn haben. Aber sie stellen sich sehr schnell darauf ein, denn es ist die Art und Weise der Kommunikation die sie aus der Herde kennen.

 

Wenn der Herdenchef ihren Weg kreuzt müssen sie darauf achten das sie seinen Raum nicht betreten, denn sonst könnte es eine „Verwarnung“ geben. Ein Hengst treibt seine Stuten in dem er seinen Raum verschiebt und die Stuten diesem weichen.

 

 

 

Also … zum Anfang:

 

Verschiebe deinen Raum und lass dein Pferd weichen … und immer dann, wenn es reagiert, nimm den Druck weg und geh in eine andere Richtung.

 

Verschiebe deinen Raum so, dass dein Pferd antrabt … und nimm den Druck weg, sowie es reagiert. Ein paar Schritte reichen am Anfang wirklich aus, denn es geht erstmal nur darum gemeinsam das Prinzip zu erarbeiten.

 

Verschiebe deinen Raum in die Laufrichtung des Pferdes, nähere dich dem Pferd und lass es in die gegensätzliche Richtung laufen. Wenn du möchtest und alles entspannt funktioniert, dann darfst du es nach dem Handwechsel kurz mal antraben lassen.

 

 

 

Achte auf kleine Signale deines Pferdes!! Dreht es sich zu dir oder dreht nur den Kopf zu dir, stell alles Wollen ein, atme aus, dreh dich leicht weg und guck was dein Pferd dir anbietet. Kommt es zu dir. Gib ihm eine Pause. Du kannst nun versuchen was passiert, wenn du dich langsam entfernst. Folgt dir dein Pferd? Dann hast du hier bereits ein Follow-up durchgeführt. Folgt es dir nicht, so bleib einfach beharrlich an diesem Thema dran. Für Pferde ist die Berechenbarkeit wichtig und manche Pferde machen anfangs den Eindruck als wenn sie „dem Braten noch nicht trauen“!

 

 

 

Fehler?

 

Alles was du deinem Pferd kommunizierst wird von deinem Pferd interpretiert und es reagiert 1:1 darauf. Das heißt, dass du erstmal nichts falsch machen kannst.

 

 

Meiner Meinung nach kann ich im RoundPen nur einen einzigen Fehler wirklichen machen.

 

Ich treibe das Pferd von hinten mit der Longierpeitsche an und laufe aber selbst (mit meinem Raum) vor dem Pferd. Dann muss sich das Pferd entscheiden, ob es a) durch meinen Raum geht oder b) die Longierpeitsche ignoriert.

 

In JEDEM FALL muss sich das Pferd gegen mich entscheiden.

 

Du meinst: Aber es funktioniert doch! Ja tut es, aber das heißt noch nicht das es im Sinne des Pferdes funktioniert. Es heißt nur, dass das Pferd es gewohnt ist und tut was der Mensch möchte.

 

 

Wichtig!!!

 

Menschen vergessen ihre Freude, wenn sie mit dem Pferd im Roundpen stehen. Ich sehe immer wieder hochkonzentrierte Menschen die nicht eine Mine verziehen, wenn das Pferd quatsch macht.

 

 

 

 

Hey – habt Spaß mit euren Pferden UND ZEIGT ES IHNEN AUCH!